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Anfang Juli kommen die Abrissbagger: Solange darf der Wohnblock in der Ostpreußenstraße ein Kunstobjekt sein. Foto: Kunz
Ab 19. Juni, noch vor der offiziellen Eröffnung des Kultursommers, können die Kunstwohnungen in der Ostpreußenstraße besichtigt werden, bevor dann Anfang Juli die Abrissbirne zuschlägt.
"Das weinende Haus" steht an der Ostpreußenstraße 26, dem mittleren der drei Häuser des Blocks. Im Treppenhaus setzt Klaus Hopf die Aufschrift bildlich um. Aus abgeschlagenem Putz rinnen Farbspritzer wie Blut aus einer Wunde oder wie Tränen, auf jeder Etage in einer anderen Farbe. Dass es in dem Haus nicht mit rechten Dingen zugeht, macht schon Franz Bellmanns Fassadenkunst deutlich. Aus allen Fenstern baumeln Flatterbänder, Drahtseile und Schnüre, an denen Dosen, Radios, Stühle, Kuhglocken, ein Lampenschirm mit einer brennenden Glühbirne und andere für den Sperrmüll bestimmte Dinge aufgefädelt sind.
"Warum lebt ein Lebewesen, wenn es doch stirbt?" Ihre Antwort auf die oft gestellte Frage nach dem Sinn einer Kunstaktion in einem Gebäude, das doch der Zerstörung geweiht ist, hat die Ludwigshafener Malerin Christine Hohmann in das Treppenhaus mit der Hausnummer 28 geschrieben. Hohmann und die Literatin Margot Hella Scherr aus Dannstadt-Schauernheim haben die Kunstaktion mit dem Titel "Raumgestaltung" gemeinsam initiiert und organisiert. Auf die Idee sind sie durch Freunde in Berlin gekommen.
Denkanstöße zur Vergänglichkeit
Die Wohnungsbaugesellschaft GAG hat ihnen die "zum Rückbau freigegebene Häuserzeile" in der Ostpreußenstraße überlassen. Vor wenigen Tagen erst ist der letzte Mieter ausgezogen, am 6. Juli ist Abrissbeginn. 26 Künstler aus Ludwigshafen, Mannheim, Worms, Mainz, Heidelberg, Freiburg und Lörrach haben sich nun daran gemacht, in den Wohnungen Denkanstöße zur Vergänglichkeit zu geben. Manche haben schon im April begonnen, die leeren Räume herzurichten. "Der Bau wird nochmal belebt, bevor er zu Grabe getragen wird", sagt Hohmann.
Die Malerin hat gleich zwei Wohnungen in der dritten Etage der Nummer 28 gestaltet. In der einen sind Spuren der Mieter ausgelegt: Sand aus einem Blumentopf, Besteck, Bücher, alte Kleider, Hand- und Fußabdrücke. In der anderen Wohnung sind die Wände so von Nikotin vergilbt, dass Christine Hohmann auf einen makaberen Einfall gekommen ist. In die Fenster hat sie Röntgenbilder von Raucherlungen gehängt, auf den Boden eine gelbe Fluchtlinie gezeichnet für diejenigen, die von Atemnot befallen werden.
Urlaub im Badezimmer
Im obersten Stockwerk macht sich der Architekt Wolfgang Himmelmann Gedanken über den "Kohleblock", der das Haus einmal war, und das "Sonnenhaus", das der Neubau werden soll. In der zweiten Etage sind zwei Dreier-Künstler-WGs anzutreffen. In der einen setzt Angelika Ritscher-Engert sehr bunt Denkweisen bildlich um, drapiert Rosieta Braun mit einer lebensprallen Nana und großen Herzen die Wände, lädt Walter Pfannhuber zu Urlaub im Badezimmer ein. Gegenüber hat Hedda Schermer ein provençalisches Interieur als trompe l' úuil an die Wand gemalt, hat Silvia Henninger Kleidungsstücke in Erinnerungsfetzen verwandelt, lässt Dieter Hoffmann spüren, was Sehnsucht bedeutet.
Margot Hella Scherr im Parterre warnt gleich an der Haustür: "Vorsicht Kunst". Die Wohnungsbegehung ist eine Zeitreise. In einem Zimmer klagt die Küntslerin die Manipulation des Menschen am Menschen an mit Kinderbildern und Zeitungsausschnitten mit der Schlagzeile: "In USA bald Wunschkinder auf Bestellung". Im "Raum des Seins" wird man beim Lesen eines Gedichts von dem monotonen Hörsignal eines Computerspiels begleitet.
Es gibt noch viel zu sehen in den Künstlerwohnungen in den anderen Häusern. Doch neidlos gestehen alle Rahman Al Jabiri den Preis der schönsten Wohnung zu. Durch Gucklöcher blickt der Betrachter in zwei schwarz ausgemalte Räume. Schwarzlichtfarbe macht weiß aufgetragene arabische Schriftzeichen sichtbar. Wäre da nicht im Hintergrund das Stimmengewirr vom Band, die Wohnung des gebürtigen Irakers mit Atelier im Hemshof würde vollkommene Ruhe ausstrahlen. (huf)
Termine
Kunstprojekt "Raumgestaltung" in der Ostpreußenstraße 24-28 in Ludwigshafen. Eröffnung am Freitag, 19. Juni, 17 Uhr. Öffnungszeiten Samstag und Sonntag, 20. und 21. Juni sowie 27. und 28. Juni, ab 14 Uhr. 22. bis 26. Juni für Schulklassen, Kindergärten oder Kunstinteressierte. Einlass im Künstlercafé in der Ostpreußenstraße 26.
Chemie zum Anfassen, spannende Mitmach-Experimente mit Brennstoffund Solarzellen, eine Energie-Werkrundfahrt mit dem Chemobil, dazu praktische Tipps zum Energiesparen – all das erwartet die Gäste beim offenen Samstag im BASF-Besucherzentrum am 4. September.
Seit dem 1. September, 18:30 Uhr, kommt es auf der Friesenheimer Insel, dem Mannheimer Werksteil der BASF SE, zu einer Fackeltätigkeit.
Nach Reparaturarbeiten im Kraftwerk Süd der BASF in Ludwigshafen werden dort planmäßige Betriebsversuche an einer Gasturbine durchgeführt.
Am 1. September 2010, starten 435 Schulabsolventen ihre Ausbildung bei der BASF am Standort Ludwigshafen, weitere 465 im BASF Ausbildungsverbund. "Nachdem wir Mitte Juli noch über 100 freie Ausbildungsplätze zu verzeichnen hatten, haben wir unser Bewerbermarketing noch einmal deutlich verstärkt, so dass wir pünktlich zum Ausbildungsstart alle 900 angebotenen Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern besetzen konnten", so Hans-Carsten Hansen, Personalchef der BASF.
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